Kredit im Todesfall – Wer zahlt die Schulden?

  • 18. August 2020
  • 7 Minuten Lesezeit
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Kredite, bei denen ein hoher Betrag aufgenommen wird, zahlen die Darlehensnehmer in der Regel √ľber einen l√§ngeren Zeitraum zur√ľck. Leider kann es dazu kommen, dass der Schuldner verstirbt. Wer begleicht in solch einer Situation die Schulden?

H√§ufig erben Kinder oder der Ehepartner eine Immobilie oder einen Geldbetrag der Verstorbenen ‚Äď das Erbvolumen betr√§gt in Deutschland laut Sch√§tzungen Berliner √Ėkonomen rund 400 Milliarden Euro im Jahr. Eine beachtliche Menge.

Tatsache ist aber auch, dass nicht jeder nach dem Tod eines Angehörigen ein Vermögen erbt. Nicht selten werden stattdessen Schulden vererbt.

In diesem Beitrag beleuchten wir folgende Fragen:

Rund um den Kredit im Todesfall

  • Kann man Schulden erben?
  • Wer zahlt die Schulden im Todesfall?
  • Welche M√∂glichkeit gibt es, um nicht f√ľr die Schulden aufzukommen?

Grundsätzlich gilt, dass mit dem Tod des Kreditnehmers die Schulden auch nach dem Tod weiter bestehen. Das Erbe umfasst, wie bereits erwähnt, nicht nur das Vermögen des Verstorbenen, sondern auch vorhandene Kredite beziehungsweise Schulden.

Wer sich also entscheidet zu erben, der erbt alles – die Erben √ľbernehmen somit auch den Kredit. Das Erbrecht sieht aber vor, dass niemand verpflichtet ist, das Erbe anzutreten.

Kredit im Todesfall? Das sind Ihre Optionen

  • Erbe ausschlagen
  • Antrag auf Nachlassverwaltung
  • Nachlass samt Schulden erben

FAQ: Kredit im Todesfall

Was passiert mit dem Kredit im Todesfall?

Die Kreditschuld bleibt und wird auf den Erben √ľbertragen. Dieser kann, muss aber nicht den Kredit √ľbernehmen. Es besteht die M√∂glichkeit, das Erbe auszuschlagen. Damit verzichten Sie nicht nur auf den Kredit, sondern auf die Besitzt√ľmer des Verstorbenen. Wer erbt, erbt alles ‚Äď und wer nicht erbt, der erbt nichts.

Was passiert mit dem Kredit, wenn es keinen Erben gibt?

In diesem Fall gehen die Nachlässe an das Land beziehungsweise den Staat.

Welche Möglichkeit habe ich, um mich / meinen Partner abzusichern?

Zum einen k√∂nnen Sie eine Restschuldversicherung abschlie√üen. Diese sch√ľtzt Hinterbliebene nicht nur im Todesfall sondern auch den Kreditnehmer bei Arbeitslosigkeit beziehungsweise -unf√§higkeit.

Bedenken Sie jedoch, dass es sich hierbei um eine zusätzliche finanzielle Belastung handelt, da der Kredit teurer wird. Auch die Risikolebensversicherung ist eine geeignete Option. Wenn Sie diese abschließen, dann empfehlen wir mindestens die Höhe des Kreditbetrags als Absicherung festzulegen.

Was ist der erste Schritt nach dem Todesfall?

Im ersten Schritt wird die Verantwortlichkeit √ľberpr√ľft ‚Äď also, wer soll den Kredit √ľberhaupt zahlen? Im Idealfall melden sich die Erben bei der Bank oder bei dem Kreditinstitut und legen eine Sterbeurkunde vor. So kann schnell eine L√∂sung f√ľr alle Parteien gefunden werden.

Wann lohnt es sich, das Erbe auszuschlagen?

Es lohnt sich, das Erbe auszuschlagen, wenn der Nachlass √ľberschuldet ist, die zu erbende Immobilie sanierungsbed√ľrftig ist oder das Erbe insolvent beziehungsweise verschuldet ist.

Erbe ausschlagen

Innerhalb von sechs Wochen nach dem Tod des Schuldners haben Sie die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen, indem Sie eine Verzichtserklärung beim entsprechenden Nachlassgericht abgeben.

Zuerst einmal m√ľssen sich die Erben ein Bild √ľber die finanzielle Lage des Verstorbenen verschaffen, um zu beurteilen, ob es sinnvoll ist, das Erbe auszuschlagen. Hierf√ľr reicht es, bei der Bank eine Sterbeurkunde vorzuzeigen.

In folgenden Situationen lohnt es sich, das Erbe auszuschlagen:

  • Nachlass √ľberschuldet
  • Sanierungsbed√ľrftigte Immobilie
  • Erbe ist verschuldet
  • Erbe ist insolvent
  • Nachlass ist √ľberschuldet

Erstellen Sie eine Liste mit Verm√∂gen, Immobilien, Wertgegenst√§nden und Notarkosten des Verstorbenen und pr√ľfen Sie die Schulden beziehungsweise Kredith√∂he des Verstorbenen.

Financer Tipp

Wenn sich nach der Kalkulation ein Minus ergibt, dann lohnt es sich definitiv, das Erbe auszuschlagen.

Sanierungsbed√ľrftige Immobilie

Ein Haus zu erben ist nicht schlecht ‚Äď aber nicht vorteilhaft, wenn es sich um eine sanierungspflichtige Immobilie handelt. Die Kosten f√ľr eine Modernisierung oder ein neues Dach sind f√ľr viele Menschen nicht zu stemmen ‚Äď auch dann lohnt es sich, auf das Erbe zu verzichten.

Sie k√∂nnen die Immobilie nat√ľrlich erben und verkaufen, m√ľssen daf√ľr aber einen Abnehmer finden.

blitzkredit-ohne-schufa Erbe ist verschuldet

Wenn das Erbe ohnehin schon verschuldet ist und auch der Nachlass im roten Bereich liegt, macht es logischerweise keinen Sinn, den Schuldenberg zu erhöhen. Auch hier lohnt es sich, das Erbe auszuschlagen.

Erbe ist insolvent

Haben Sie die Privatinsolvenz angemeldet? Dann aufgepasst: Die H√§lfte Ihres Erbes f√§llt in diesem Fall direkt Ihrem Insolvenzverwalter zu. Wenn Sie das nicht w√ľnschen, ist auch hier die Ausschlagung des Erbes eine sinnvolle Option.

Bitte beachten Sie:

Wer sein Erbe ausschl√§gt, der verzichtet auch auf die Besitzt√ľmer des Toten. Bedeutet: Wer erbt, erbt alles.

Bevor Sie sich dazu entscheiden, ein Erbe auszuschlagen, sollten Sie alle Vor- und Nachteile jedoch gut abw√§gen, da es schwer ist, die Ausschlagung zur√ľckzunehmen. Abgesehen davon, dass die Ablehnung nach sp√§testens sechs Wochen erfolgen muss, ben√∂tigen Sie einen triftigen Grund ‚Äď und einen guten Anwalt.

Was passiert, wenn man das Erbe ausschlägt?

In diesem Fall wird die Erbschaft auf die n√§chste Person in der Erbfolge √ľbertragen. Auch diese kann innerhalb der Frist von sechs Wochen das Erbe ausschlagen. Wenn niemand von den Erben die Hinterlassenschaften haben m√∂chte, so ist der Letzte, der die Schulden √ľbernimmt, der Staat.

Antrag auf Nachlassverwaltung

Eine Nachlassverwaltung lohnt sich bei einem un√ľbersichtlichen Nachlass ‚Äď wenn Sie also kein klares Bild dar√ľber haben, wie viel genau an Schulden und Verm√∂gen vorhanden sind. Dann wird vom Nachlassgericht ein Verwalter angestellt, dem nun die Verf√ľgungsmacht zusteht und der die Kl√§rungsverh√§ltnisse √ľbernimmt.

Financer Tipp

Zwar kostet die Nachlassverwaltung etwas, aber sie birgt einen gro√üen Vorteil: Der Verwalter k√ľmmert sich um die Hinterlassenschaften und zahlt die Schulden mit dem Geld, das vorhanden ist. Sollte Geld √ľbrig bleiben, wird Ihnen der Betrag ausgezahlt.

Was passiert, wenn nicht ausreichend Geld zur Verf√ľgung steht, um die Schulden zu begleichen?

Auch in diesem Fall sind Sie abgesichert. Sie haften nämlich nicht mit Ihrem Privatvermögen, sondern lediglich mit dem Nachlass.

Tod des Ehepartners bei einem Kredit

Sie haben einen Kredit mit einem Ehepartner oder einer anderen Person aufgenommen und diese ist verstorben? In der Regel geht der Kredit im Todesfall auf die hinterbliebene Person √ľber und dies geschieht unabh√§ngig vom Erbe.

Aufgepasst

In solchen Fällen kann sich der Kredit zu einer existenzbedrohenden Situation entwickeln, wenn der hinterbliebene Ehepartner die Schulden alleine nicht mehr begleichen kann.

Ein Kredit ist in jeder Hinsicht eine gro√üe Verantwortung. Zwar rechnet keiner damit, dass ein Todesfall eintritt ‚Äď trotzdem sollten Sie bereits vorher alle m√∂glichen Szenarien ausloten, um Sicherheiten f√ľr die Zukunft zu schaffen. Dieselbe Situation tritt √ľbrigens ein, wenn ein B√ľrge f√ľr den verstorbenen Kreditnehmer geb√ľrgt hat. Dieser muss im Todesfall die Schulden begleichen.

Wie Sie den Kredit im Todesfall absichern können:

  • Risikolebensversicherung
  • Restschuldversicherung

Risikolebensversicherung

Die Risikolebensversicherung ist nicht mit der Kapitallebensversicherung zu verwechseln und ist eine finanzielle Absicherung f√ľr die Hinterbliebenen. Im Todesfall wird eine Summe ausgezahlt, die vorher festgelegt wurde.

Wenn Sie eine Risikolebensversicherung abschließen, um einen Kredit im Todesfall abzusichern, dann empfehlen wir, mindestens die Höhe des Kreditbetrags als Absicherung festzulegen.

Restschuldversicherung

Die Restschuldversicherung dient dazu, Hinterbliebene bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder auch im Todesfall finanziell abzusichern.

Zwar ist die Restschuldversicherung eine zus√§tzliche finanzielle Belastung zum Kredit, im Todesfall wird aber die gesamte ausstehende Restschuld getilgt ‚Äď so m√ľssen sich die Hinterbliebenen keine Sorgen machen.

Fazit

Die Antwort auf die Frage ‚ÄěKann man Schulden erben?‚Äú lautet: Ja. Wer sich dazu entscheidet zu erben, der erbt alles ‚Äď Verm√∂gen sowie Schulden.

Nutzen Sie die 6-wöchige Frist

Erben m√ľssen keine Schulden bezahlen, schlie√ülich besteht die M√∂glichkeit, die Schulden innerhalb einer Frist von sechs Wochen auszuschlagen oder einen Antrag auf Nachlassverwaltung zu stellen.

Wenn Sie mit einem Ehepartner einen Kredit aufgenommen haben und es zum Todesfall kommt oder sie B√ľrge sind, dann m√ľssen Sie den Kredit unabh√§ngig vom Erbe √ľbernehmen. Wer sich gegen solche F√§lle absichern m√∂chte, dem stehen zwei M√∂glichkeiten zur Verf√ľgung, n√§mlich der Abschluss einer Restschuldversicherung oder einer Risikolebensversicherung.

Autor Sven Wilke

Sven Wilke ist Chief Operating Officer von Financer Deutschland und seit 2019 f√ľr das internationale Online-Vergleichsportal t√§tig.

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