Das Coronavirus und seine wirtschaftlichen Folgen

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Primär hat das Virus gravierende Folgen für die Gesundheit der Menschen, insbesondere für Ältere, die einem hohen gesundheitlichen Risiko ausgesetzt sind. Die Folgen betreffen jedoch auch die Wirtschaft. Aber erstmal der Reihe nach. Bekannt ist, dass das Coronavirus nicht die erste Infektionskrankheit ist, die von Tieren auf den Menschen übertragen wurde. In der Vergangenheit gabe es beispielsweise die Vogelgrippe, Schweinegrippe sowie Ebola.

Entstanden ist das Coronavirus in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, wo auf einem Wildtiermarkt neben den „üblichen“ Tieren, die für gewöhnlich auf den Tellern landen, auch Schlangen sowie Fledermäuse gehandelt werden, die als Krankheitsüberträger des Coronavirus gelten. Nachdem das Virus den Großteil Chinas erfasst hatte, breitete es sich im März rasch auch in Europa aus.

Die Bilanz: Mehr als eine Million Infektionen sowie knapp 165.000 Todesfälle zählt der unsichtbare Feind, das Coronavirus, laut Stand vom 20.04.2020.

Die Folgen für die Bevölkerung weltweit sind weitreichend und die Politik hat zahlreiche Maßnahmen eingeführt, um die Ausbreitung des Virus einzuschränken.

Bürger sind angehalten, ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken und sich im öffentlichen Raum nicht in Ansammlungen aufzuhalten – dazu gilt ein Mindestabstand von 1,5 Meter zu anderen Personen.

Folgende Einrichtungen wurden bislang geschlossen:

  • Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege
  • Gastronomiebetriebe
  • Bildungseinrichtungen
  • Kulturelle Einrichtungen
  • Sportstätten

Daraus wird ersichtlich, dass das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren wurde, um das Allgemeinwohl der Bevölkerung zu schützen. Doch die Ungeduld derjenigen, die eine Aufhebung der Einschränkungen fordern, wird lauter.

Bundeskanzlerin Merkel sowie Kanzleramtschef Helge Braun wiesen diese Forderungen zurück und stellten klar, dass die bestehenden Einschränkungen mindestens bis zum 20. April anhalten. Doch Virologen rechnen mit einem Ausnahmezustand, der noch einige Monate andauern könnte.

Das hat primär gravierende Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere für ältere Menschen, die einem hohen gesundheitlichen Risiko ausgesetzt sind. Doch das Coronavirus hat auch die Wirtschaft infiziert – global sowie national – und man könnte sagen, dass diese bereits einige Symptome zeigt.

Kurzarbeit… und Arbeitslosigkeit?

In der Talkshow „Hart aber fair“ gab der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit den Worten „kein Arbeitsplatz muss wegen Corona verloren gehen“ ein Versprechen ab, das er wohl kaum halten können wird.

Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen im März laut offiziellen Angaben um 60.000 gesunken – jedoch ist anzumerken, dass diese Zahlen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus noch nicht berücksichtigen.

Viel mehr berücksichtigen dies die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, durch die Corona-Krise mittlerweile 725.000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet haben. Die Rede ist hier von Betrieben – in einigen davon arbeitet nur eine Person, in vielen aber arbeiten Hunderte Menschen.

Beispiel: Allein Lufthansa hat die Kurzarbeit von knapp 87.000 Mitarbeitern gemeldet.

Nach Angaben des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) droht 10 % aller Mittelständler die Insolvenz. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit machte keine Aussage darüber, wie viele Beschäftigte tatsächlich betroffen sind.

Konkretere Zahlen bezüglich der Arbeitslosigkeit verkündet das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten. Dieses gab bekannt, dass binnen vier Wochen 22 Millionen Amerikaner den Job verloren hat.

Ein Trend wird zu erkennen sein, wenn Ende April neue Daten veröffentlicht werden. Die Entwicklung der aktuellen Situation ist selbstverständlich nicht nur der Epidemie per se überlassen, sondern hängt auch von den Maßnahmen der deutschen Politik sowie Unternehmen ab.

Die Regierung hat bereits Verordnungen zum leichteren Zugang zum Kurzarbeitergeld beschlossen, welches die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus auf den Arbeitsmarkt wenigstens etwas abpolstern kann.

Auch die deutsche Industrie leidet

Während die deutsche Industrie im Januar noch das größte Auftragsplus seit 2014 verzeichnete, sieht die Situation nur zwei Monate später anders aus. Nehmen wir als Paradebeispiel die Automobilindustrie, die rund 5 % zum deutschen Bruttoinlandsprodukt beiträgt und somit der wichtigste Industriezweig der deutschen Wirtschaft ist. Abgesehen davon, dass ein großer Stellenabbau droht, gibt es derzeit schlicht und einfach eine Überproduktion – zu viel Angebot für zu wenig Nachfrage.

Beachtlich ist die Flexibilität der deutschen Unternehmen. Autohersteller wie BMW oder VW prüfen bereits, wie Sie Ihre Fabriken umfunktionieren können, um das ächzende Gesundheitssystem mit der Produktion von medizinischen Geräten zu unterstützen. Das ist anderswo schon passiert: In Tschechien baut die VW-Tochter Skoda bereits Komponenten für Beatmungsgeräte – aus Autobauer wird Produzent für Medizinbedarf.

Anderes Beispiel: Ein in Bonn ansässiges Spirituosenunternehmen produziert in der Regel einen preisgekrönten Gin. Um einen Bestandteil dieses Produkts konkurrieren in Zeiten des Coronavirus neben Spirituosenherstellern auch Krankenhäuser.

Das Unternehmen baute die Produktionsanlagen so um, dass es nun Desinfektionsmittel herstellt und Krankenhäuser beliefert. Neben diesen beiden Lichtblicken gibt es in der deutschen Industrie noch viele weitere, die den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden, aber noch wichtiger: nicht ausreichen. Dass Deutschland in diesem Jahr eine Rezession bevorsteht, ist schon längst Gewissheit. Vielmehr stellt sich die Frage danach, in welcher Höhe diese ausfällt.

Das hängt von den gesundheitspolitischen Maßnahmen der deutschen Regierung ab und der damit verbundenen Zeit, die benötigt wird, um einen Normalisierungsprozess durchzuführen.

Die Gewinner und Verlierer

Wie in jeder Krise gibt es Industrien sowie Unternehmen, deren Geschäftsaktivitäten durch die aktuelle Lage besonders beeinflusst werden – positiv sowie negativ. Im Folgenden listen wir auf, welche Industrien beziehungsweise Branchen die Gewinner und welche die Verlierer in Zeiten des Coronavirus sind.

Gewinner der Corona-Pandemie

Verlierer der Corona-Pandemie

  • Elektroindustrie
  • Maschinenbau
  • Chemie
  • Luftfahrt
  • Tourismus
  • Messe
  • Sport & Kultur

Vor einigen Tagen haben Wirtschaftsexperten eine Einschätzung über die gesamtwirtschaftliche Lage Deutschlands im Jahr 2020 abgegeben und im Rahmen dessen drei verschiedene Szenarien vorgestellt.

Das realistischste Szenario ist eine schnelle Erholung der Wirtschaft noch im Sommer sowie ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 2,8 %. Einen Anstieg dürfte es im kommenden Jahr 2021 geben.

Im schlimmsten Fall drohen der deutschen Wirtschaft mit einem Rückgang von 5,4 % annähernd Ausmaße der Weltwirtschaftskrise 2009, als die deutsche Wirtschaft um 5,7 % eingebrochen war.

Dass die humanitären und wirtschaftlichen Konsequenzen weitreichend sind, sollte mittlerweile bekannt sein. Einen Aspekt gilt es dabei auch zu erwähnen: nämlich den Aktienmarkt. Seit der Finanzkrise kennen die Aktienmärkte nur eines: Aufschwungs. Das könnte dieses Jahr anders aussehen.

Der Aktienmarkt in Zeiten des Corona-Virus

Der DAX beendete am 31.03. das erste Quartal mit einem historischen Tief: 9.935,84.

Eine ähnliche Entwicklung ist übrigens auch in den Vereinigten Staaten sichtbar, wobei sich Dow Jones und Dax langsam erholen.

Zum Vergleich: Am 19. Februar lag der Dax bei 13.789,00. Genau einen Monat später, also am 19. März bei 8.610,43. Das aktuelle Jahrestief mit 8.441,71 gab es am deutschen Aktienmarkt zuletzt 2013.

Wie sich das gesamte Szenario weiterentwickelt, kann man derzeit noch nicht sagen, da auch dies von dem Verlauf der Pandemie abhängt sowie den Maßnahmen, die durch die Regierung getätigt werden. Bedingt durch die Unsicherheit am Aktienmarkt, die durch die starken Schwankungen hervorgerufen wird, ist es zu panischen Verkäufen gekommen.

Experten raten davon ab, zu emotional zu handeln und sich von diesem Trend mitreißen zu lassen, besonders wenn Sie dieses Geld für die Altersvorsorge vorgesehen haben.

Zwar hat das systematische Risiko nun zugeschlagen und viele Unternehmen / Industrien leiden unter der aktuellen Situation. Trotzdem ist gewiss, dass es zu einer Erholung kommen wird, die bereits in der zweiten Jahreshälfte passieren könnte.

Anlagechancen nutzen

Jede Situation birgt Chancen, so auch die Corona-Erkrankung des Aktienmarktes. Die erste wäre eine Investition in eine Aktie, die einem Sektor angehört, der unter den Folgen des Coronavirus leidet. Die Werte der Aktien sind hier nämlich deutlich gesunken — wer jetzt zuschlägt, könnte profitieren wenn sich der Aktienmarkt erholt hat. Als Beispiel sind hier die Luftfahrt sowie der Tourismus zu nennen.

Interessante Aktien, in die Sie jetzt investieren könnten: Norwegian Cruise Line, Carnival und der Hersteller von Triebwerken für die Luftfahrt, MTU Aero Engines.

Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über den Aktienkauf. Bekannte Broker sind comdirect und flatex.

Für Neulinge lohnt sich jetzt eine Investition in ETF-Sparpläne. Diese bilden Aktienmärkte weltweit ab (zum Beispiel 70 % Europa, 30 % Amerika, 5 % Ozeanien und 5 % China). Bedingt durch die Lage am Aktienmarkt erhalten Sie nun mit einem Anlagebetrag von 100,- EUR wesentlich höhere Anteile als dies vor einigen Wochen der Fall gewesen wäre.

Unkonventionelle Anleger finden in diesem Beitrag spekulativere Anlageformen, während auf mehr Sicherheit bedachte Anleger hier fünf sichere Anlageformen für 2020 finden.

Die Rolle der Banken

Letztlich betrifft das Coronavirus auch die Banken sowie Verbraucher. Die Europäische Zentralbank hat Geldinstituten unlängst davon abgeraten, Dividenden an Aktionäre auszuschütten. Ein Rat, dem die meisten Banken auch in Deutschland (Commerzbank, ING, Deutsche Bank) folgen. Lediglich die Schweizer Banken sind in dieser Angelegenheit noch zögerlich.

Ein angenehmer Nebeneffekt ist für Sparer zu erkennen: Seit Jahren dauert bekanntlich die Niedrigzinsphase an, die nach der Weltwirtschaftskrise vor mehr als zehn Jahren eingeführt wurde, um die Kreditklemme von Unternehmen sowie Staaten zu vermeiden.

Die Folge für Verbraucher: Sparen lohnt sich aufgrund der niedrigen Zinsen immer weniger, während Kredite günstiger denn je sind.

Sparer aufgepasst: Die Zinsen auf Tagesgeldkonten und Festgeldkonten steigen mit der Corona-Krise!

Woran das liegt? Für Banken ist es derzeit in häufigen Fällen günstiger, sich über Kundenanleihen als über Unternehmensanleihen zu finanzieren.

Konsequenz: Banken setzen auf die Einlagen der Sparer, was diese Anlageform wieder attraktiver macht. Dadurch, dass es innerhalb der EU eine Einlagensicherung in Höhe von 100.000,- EUR pro Person pro Konto gibt, lohnt es sich für diejenigen, die auf Sicherheit setzen, in ein Festgeldkonto zu investieren. Lesen Sie unseren Testbericht, wenn Ihnen die Wahl zwischen Festgeld und Tagesgeld schwerfällt.

Die volkswirtschaftliche Relevanz der Banken könnte sich in Zeiten des Coronavirus vergrößern. Zwar hat die deutsche Politik Sonderkredite in Kooperation mit der staatlichen Förderbank KfW eingeführt, um insbesondere mittelständische Unternehmen vor der Insolvenz zu bewahren.

Solch einen Kredit bekommen aber nur Unternehmen, die in der Lage sind, diesen innerhalb von fünf Jahren zurückzuzahlen. Das bedeutet, dass die Hilfe in einigen Unternehmen über alle Sektoren hinweg trotz funktionierender Geschäftsmodelle nicht ankommen wird.

Es wäre utopisch, zu denken, dass der Staat ausreichend Mittel zur Verfügung hat, um jedes einzelne Unternehmen zu retten. Diejenigen, die p2p-min iconvon der KfW abgelehnt werden und keinen Kredit erhalten, können sich an eine Hausbank wenden und einen Firmenkredit aufnehmen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Der Finanzminister Olaf Scholz hat die Banken darum gebeten, die Anforderungen (Bonitätsprüfung und Höhe der Zinsen) für kleine Unternehmen zu lockern. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob der Finanzminister bei den Geldinstituten Gehör findet oder sie ihn abblitzen lassen.

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