Home Office: So setzen Sie Steuern für das Arbeitszimmer ab

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Wer in Deutschland die Möglichkeit hat, im Home Office zu arbeiten, der wird wohl von vielen Freunden und Kollegen beneidet. Nicht ohne Grund: Laut einer Studie des Arbeitsministeriums legen die Deutschen immer weitere Strecken zurück, um den Arbeitsplatz zu erreichen – durchschnittlich 44 Minuten für den Weg zur Arbeit und zurück.

Umso schöner ist es, wenn sich eine solche Beeinträchtigung der Work-Life-Balance im Home-Office vermeiden lässt. Um im Home-Office tätig zu sein, müssen Sie nicht als einer von rund vier Millionen Selbstständigen in Deutschland tätig sein.

Besonders jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie sind immer mehr Arbeitnehmer dazu gezwungen, Ihre Mitarbeiter ins Home-Office zu schicken.

Laut einer Befragung von 1.001 Angestellten können sich 75,4 % vorstellen, nur im Home-Office zu arbeiten und 54,3 % der Angestellten gaben an, dass der Arbeitgeber dazu technisch in der Lage ist.

Die gute Nachricht lautet, dass für das Home-Office ein Maximalbetrag von 1.250,- EUR pro Jahr als Werbungskosten steuerlich absetzbar ist. Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag, wie Sie das Arbeitszimmer in der Steuererklärung auflisten und sich so einen Teil der Ausgaben zurückholen können.

Voraussetzungen

Natürlich gibt es einige Auflagen und strenge Voraussetzungen, die das Arbeitszimmer erfüllen muss, damit dieses als steuerlich absetzbar gilt. So gibt es eine Definition darüber, welche Tätigkeiten in dem Zimmer ausgeübt werden können.

Dazu gehören:

  • Organisatorische Arbeiten
  • Schriftliche Arbeiten
  • Verwaltungstechnische Arbeiten
  • Gedankliche Arbeiten

Auch künstlerische Betätigungen sind in dem Arbeitszimmer möglich. Es reicht nicht, einen Arbeitstisch in das Schlafzimmer zu stellen und dies als Arbeitszimmer zu erklären.

laptop ratenkaufEs muss sich hierbei um einen separaten Raum handeln, der zu 90 % für gewerbliche Zwecke genutzt wird und keine Wohneinrichtung enthalten darf. Wenn das Zimmer für das Home-Office zu mehr als 10 % privat genutzt wird, können Sie das nicht von der Steuer absetzen. Auch muss die Wohnung ausreichend groß sein, sodass trotz des Arbeitszimmers ausreichend Wohnraum für Sie / Ihre Familie übrig bleibt. Hier gibt es keine konkrete Regelung, die Entscheidung liegt im Ermessen des Sachbearbeiters.

Das Arbeitszimmer muss Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit sein – und somit lässt sich das Zimmer nicht von der Steuer absetzen, wenn Sie dieses nur einmal pro Woche für geschäftliche Zwecke nutzen.

Ausnahmen gelten für Lehrer, Dozenten, Außendienstmitarbeiter und Handelsvertreter.

Was ist steuerlich absetzbar?

Nachdem Sie die oben aufgeführten Voraussetzungen erfüllt haben, gilt es zu definieren, was genau im Home-Office steuerlich absetzbar ist.

Folgende Kosten lassen sich anteilig (als Werbungskosten) von der Steuer absetzen:

Anteilig absetzbare Kosten

  • Miete
  • Schuldzinsen für Kredite
  • Reinigungskosten und Hauswart
  • Hausrat- und Rechtsschutzversicherung
  • Wasser,- Abwasser,- und Energiekosten
  • Grundsteuer

Es gibt auch voll abzugsfähige Kosten, wie Renovierungskosten für das Arbeitszimmer sowie die Ausstattung des Arbeitszimmers, was auch nachträglich möglich ist.

Dazu gehören:

  • Schreibtisch
  • Stuhl
  • Regale
  • Leselampe
  • Tapeten und Teppiche
  • Vorhänge und Gardinen

Noch einmal zur Erinnerung: Das Zimmer muss zu mindestens 90 % für die berufliche Tätigkeit genutzt werden. Nach Entscheidung des Bundesfinanzhofes ist es auch nicht möglich, eine Arbeitsecke einzurichten und diese steuerlich abzusetzen.

Begründung: Die Aufteilung zwischen privater und beruflicher Nutzung in einem Raum lässt sich nicht „objektiv überprüfen“.

Nutzen Sie das Arbeitszimmer mit Partnerin beziehungsweise Partner?

Bis 2016 war die Rechtslage so, dass ein Arbeitszimmer zu zweit nicht absetzbar ist. Doch 2016 hat der Bundesfinanzhof seine Auffassung zugunsten der Steuerzahler geändert.

Bedeutet: Wenn zwei Personen im Home-Office im selben Zimmer arbeiten, kann jeder seine Aufwendungen bis zum Höchstbetrag von 1.250,- EUR absetzen!

Arbeitsmittel absetzen

Es besteht auch die Möglichkeit, Arbeitsmittel steuerlich abzusetzen. Diese lassen sich sogar steuerlich geltend machen, wenn das Finanzamt das Arbeitszimmer nicht anerkennt.

Auch spielt keine Rolle, in welchem Zimmer Ihrer Wohnung sich die Gegenstände befinden. Wichtig ist nur, dass die Arbeitsmittel primär für berufliche Zwecke verwendet werden.

Dazu gehören:

Arbeitsmittel

  • Schreibwaren
  • Laptop und Software
  • Fachliteratur
  • Telefon
  • Berufskleidung
  • Druckerpapier

Diese lassen sich als geringwertige Wirtschaftsgüter absetzen, sofern der Kaufpreis samt MwSt nicht 952,- EUR übersteigt – das sind 800,- EUR netto.

Arbeitszimmer an Arbeitgeber vermieten

Eine weitere Möglichkeit lautet, den Raum in Ihrer Wohnung an den Arbeitgeber zu vermieten. Offiziell haben Sie dann kein häusliches Arbeitszimmer sondern Sie nutzen das Büro des Arbeitgebers.

Vorteil: Sie erzielen damit Einkünfte aus der Miete und es winkt Ihnen ein vollständiger Kostenabzug. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass bei dieser „Mietform“ das Interesse Ihres Arbeitgebers überwiegt.

Folgende Indizien weisen darauf hin:

  • Firma verfügt über keinen geeigneten Arbeitsplatz
  • Der Raum muss jenseits der Geschäftszeiten genutzt werden
  • Es bestehen solche Verträge mit bestehenden Mitarbeitern

investitionskreditExternes Arbeitszimmer absetzen

Über die Höhe der steuerlich absetzbaren Kosten im Home-Office entscheidet auch, ob Ihr Arbeitszimmer häuslich oder außerhäuslich ist. Die Kosten für ein externes Arbeitszimmer können unbegrenzt als Werbungskosten abgesetzt werden und hier wird nicht geprüft, ob dort auch wirklich der Tätigkeitsmittelpunkt liegt.

Folgende Anforderungen muss das externe Arbeitszimmer erfüllen:

  • Darf nicht in die häusliche Sphäre eingebunden sein
  • Anmietung bei Familienmitgliedern nicht anerkannt
  • Zu weit von Privatwohnsitz entfernt

Alternative für das Home-Office

Wenn die Kosten für das Home-Office nicht von der Steuer abgezogen werden konnten, müssen Sie sich nicht gleich ein Büro mieten, da dies eine sehr teure Lösung ist. Eine gute Alternative für das Home-Office sind Co-Working-Spaces.

Hierbei handelt es sich um große offene Räume, die über die Infrastruktur eines Büros verfügen und häufig von Startup-Gründern, digitalen Nomaden sowie Freiberuflern genutzt werden.

Diese sind in der Regel modern eingerichtet und die Mitgliedschaft kostet zwischen 150,- und 200,- EUR monatlich.

Vorteile eines Co-Working-Spaces

Vorfälligkeitsentschädigung bei RatenkreditenFazit

Die Vorteile des Arbeitszimmers zuhause liegen auf der Hand: Primär spart man sich den Weg zur Arbeit und man sorgt somit für eine bessere Work-Life-Balance. Zudem ist das Home-Office bis zu einem Betrag von 1.250,- EUR pro Person steuerlich absetzbar. Achten Sie darauf, die Voraussetzungen dafür einzuhalten – dafür muss das Zimmer zu 90 % für geschäftliche Zwecke genutzt werden.

Zudem lassen sich auch Arbeitsmittel, unabhängig davon ob das Finanzamt Ihr Arbeitszimmer anerkennt, absetzen. Wichtig ist nur, dass diese Mittel primär für berufliche Zwecke genutzt werden.

Eine gute Alternative zum Home-Office sind Co-Working-Spaces, die mit ausgezeichneten Networking-Möglichkeiten, einer exzellenten Infrastruktur und oft einer guten Lage ein angenehmes Arbeitsklima ermöglichen.

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