Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge

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Der deutschen Wirtschaft geht es im Vergleich zu zahlreichen europäischen Ländern gut – das Bruttoinlandsprodukt setzt seinen positiven Trend fort, deutsche Exporte steigen trotz zunehmender Handelskonflikte und auch die Arbeitslosenquote nimmt weiter ab.

Während dieser Trend weiter zunehmen mag, offenbart ein Blick in die Zukunft hinsichtlich der Altersvorsorge eine weniger positive Prognose, da schon heute jeder fünfte Rentner von der Altersarmut betroffen ist – Tendenz steigend.

Das Handelsblatt berichtet, dass dem Ergo-Risiko-Report zufolge 40 Prozent der Deutschen weniger als 50 Euro im Monat für das Alter zurücklegen.

Unter den Geringverdienern ist dieser Wert einer aktuellen Studie zufolge noch höher – fast jeder Dritte hat keine private Altersvorsorge. Scheinbar unterschätzen viele Menschen die im Alter entstehende Rentenlücke mit dem Gedanken, dass die gesetzliche Rentenversicherung ausreicht. Dabei ist es wichtig, bereits im jungen Alter für die Rente vorzusorgen, um selber nicht von der Altersarmut betroffen zu werden.

Ziel dieses Beitrags ist es aufzuzeigen, warum die private Altersvorsorge sinnvoll ist und welche Möglichkeiten bestehen, um für das Alter vorzusorgen.

1.  Kapitallebensversicherung

Die Kapitallebensversicherung ist eine Möglichkeit der privaten Altersvorsorge. Hier zahlt der Versicherungsnehmer über eine vereinbarte Laufzeit seine Beträge ein. Dieser Betrag wird von der Versicherungsgesellschaft gewinnbringend investiert, sodass der Betrag am Ende der Laufzeit verzinst (jedoch sehr geringfügig) einmalig ausgezahlt wird. Im Todesfall wird hingegen eine vereinbarte Todesfallsumme ausbezahlt.

Verwechseln Sie die Kapitallebensversicherung nicht mit der Risikolebensversicherung – diese dient ausschließlich dem Zweck, Hinterbliebene für den Todesfall abzusichern. Die Kapitallebensversicherung zielt primär auf die Kapitalbildung ab.

2.  Fondsgebundene Lebensversicherung

Eine weitere Möglichkeit in die private Altersvorsorge zu investieren, ist die fondsgebundene Lebensversicherung. Diese verbindet – wie der Name bereits verrät – eine Fondsanlage mit einer Lebensversicherung. Im Vergleich zur Kapitallebensversicherung sind die Renditechancen wesentlich höher, dafür aber auch das Risiko.

Die fondsgebundene Lebensversicherung lockt mit Steuervorteilen gegenüber einem normalen Aktienkauf: Läuft der Vertrag mindestens 12 Jahre und ist der Versicherungsnehmer zum Zeitpunkt der Auszahlung 60 Jahre oder älter, wird lediglich die Hälfte des Kapitalertrags versteuert.

Apropos Zeitpunkt der Auszahlung: Dieser ist ausschlaggebend. Stehen die Papiere nämlich gut, so war die Anlage ertragreich. Bei einer schlechten Marktlage hingegen kann es auch zu einem Verlust kommen.

3.  Riester-Rente

Die Riester-Rente wurde 2002 im Rahmen der Reform der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt. Die Riester-Rente kombiniert staatliche Zulagen mit der privaten Altersvorsorge. Um Anspruch auf diese zu haben, müssen Sie pro Jahr mindestens 60,- EUR einzahlen.

Um den vollen Umfang dieser staatlichen Förderung zu erhalten, zahlen Sie vier Prozent Ihres Bruttojahreseinkommens in den Riester-Vertrag ein. Große Vorteile der Riester-Rente sind eine lebenslang stabile Rente sowie Schutz vor Insolvenz mit einer hohen Förderung.

Wesentliche Nachteile im Vergleich zur Kapitallebensversicherung zum Beispiel sind die begrenzte Vererbbarkeit im Todesfall und die teils hohen Abschlusskosten der Riester-Rente. Die Riester-Rente war schon immer Gegenstand zahlreicher Diskussionen und lohnt sich nicht für jeden.

Bedingt durch die Kinderzulage (300,- EUR pro Jahr) ist die Riester-Rente für Familien mit Kindern eine sinnvolle Art der privaten Altersvorsorge.

4.  Rürup-Rente

Die Rürup-Rente wurde 2005 eingeführt und ist ein Modell der privaten Altersvorsorge, das für Selbstständige gedacht ist, die nicht in die gesetzliche Rente einzahlen und keinen Anspruch auf eine betriebliche Rente haben. Im Rentenalter erhalten die Vertragsnehmer aus der Rürup-Police eine lebenslange Rente bezahlt, die sich nach dem eingezahlten Betrag richtet.

Ein wesentlicher Vorteil der Rürup-Rente ist, dass die Beiträge zu diesem Rentenmodell steuerlich absetzbar sind.

In diesem Jahr konnten bereits 88 % der Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden. Dieser Prozentsatz steigt mit jedem Jahr und wird im Jahr 2025 100 % betragen. Ein weiterer Vorteil der Rürup-Rente ist die Flexibilität hinsichtlich der Laufzeit und Beitragszahlungen. Gegen die Rürup-Rente sprechen die verhältnismäßig geringen staatlichen Förderzulagen im Vergleich zur Riester-Rente.

5.  Klassische Rentenversicherung

Auch die klassische Rentenversicherung ist eine Möglichkeit der privaten Altersvorsorge. Ähnlich wie bei der Kapitallebensversicherung zahlen Sie jeden Monat einen Betrag ein – erhalten den Betrag aber anstatt einer Einmalzahlung jeden Monat ausgezahlt. Wirtschaftet das Versicherungsunternehmen gut, so können Sie sich sogar auf zusätzliche Überschüsse freuen, an denen man Sie beteiligt.

Bedingt durch die Niedrigzinsphase sind die Erträge sehr gering. So richtet sich die klassische Rentenversicherung an Menschen, die sehr sicherheitsorientiert sind, da die klassische Rentenversicherung Sicherheit vor Turbulenzen an Kapitalmärkten bietet.
Für Risikobereitere ist die fondsgebundene Lebensversicherung eine sinnvollere Vorsorgemethode.

6.  Sofortrente

Anders als die anderen Formen der Altersvorsorge ist die Sofortrente, wie der Name erahnen lässt, eine „sofort beginnende Rentenversicherung“. In diesem Fall zahlen Sie einen einmaligen Betrag ein und erhalten dafür eine lebenslange Rente.

Die Sofortrente ist ein sinnvolles Modell der privaten Altersvorsorge für Menschen, die bereits mehrere Tausend Euro angespart haben und sich im Alter finanziell absichern möchten.

Wer sich für die Sofortrente entscheidet, der kann die Höhe der Auszahlung sowie die Frequenz (monatlich oder gar jährlich) selbst gestalten.

Auch hier ist es wichtig zu erwähnen, dass die Zinsen bedingt durch die Niedrigzinsphase sehr gering und eher für sicherheitsorientierte Anlegertypen geeignet sind.

7.  Sonstige Anlageformen

Vergessen Sie nicht, dass es noch weitere Finanzprodukte gibt, die sich zur privaten Altersvorsorge eignen. Die Anlageform hängt selbstverständlich davon ab, wie hoch Ihr Kapital ist, ob Sie ein eher risikobereiter Anlegertyp oder konservativ sind und wie wichtig Ihnen Renditechancen sind.

Welcher Anlegertyp Sie sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Konservative Anlegertypen können auf Aktien, Tages- und Festgelder, Europäische Geldmarktfonds oder Bausparverträge zurückgreifen. Hierbei handelt es sich um eine geringe, dafür aber sichere und langfristige Rendite.

Wer bereit ist, ein überschaubares Risiko einzugehen, dem bieten sich auch zahlreiche Möglichkeiten, wie zum Beispiel ETF-Sparpläne, Aktien oder Aktienfonds mit europäischen Standardwerten. In diesem Fall sind die Gewinnchancen höher, dafür aber auch das Risiko.

Spekulative Anlageformen wie Forex, Zertifikate, Kryptowährungen oder CFDs sind eher für einen kürzeren Anlagezeitraum geeignet und keineswegs für die Altersvorsorge zu empfehlen.

Fazit

Für die private Altersvorsorge zurückzulegen ist ein sinnvolles Unterfangen. Die Faustregel dabei lautet: Je früher, desto besser. Vergessen Sie nicht, dass auch Kleinvieh Mist macht. Wer jeden Monat 100,- EUR über einen Zeitraum von zwanzig Jahren zur Seite legt, der hat bereits 24.000,- EUR – eine beträchtliche Summe angespart.

Alles in allem gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, in die private Altersvorsorge zu investieren. Die Art der Anlage hängt häufig davon ab, wie risikobereit Sie sind und wie wichtig Ihnen Rendite ist.