Was kostet die Scheidung?

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Wie hoch sind die Kosten einer Scheidung? Diese Frage stellen sich alle Ehegatten, die Ihre Ehe auflösen wollen und sich über die anfallenden Kosten informieren möchten.

Die Kosten einer Scheidung sind von einigen Faktoren abhängig. Heute versuchen wir Ihnen einfach und verständlich zu erklären, wie Sie die Kosten für Ihre Scheidung ausrechnen können.

Zu Beginn ist es wichtig zu erwähnen, dass eine Scheidung ohne Anwalt gesetzlich nicht durchführbar ist. Die zwei Kostenpunkte bei der Scheidung stellen daher die Anwaltskosten sowie die Gerichtskosten dar.

Des Weiteren sind die Kosten der Scheidung von der Art der Scheidung sowie der aktuellen Umstände abhängig. Wenn Sie eine einvernehmliche Scheidung beantragen möchten, sparen Sie dabei bis zu 30% der Anwaltskosten, da nur ein Anwalt benötigt wird. Streitigkeiten erhöhen auf der anderen Seite die Scheidungskosten.

Aus repräsentativen Gründen werden wir in diesem Artikel die Kosten einer einvernehmlichen Scheidung darstellen. Jegliche anderen Anforderungen und Punkte, die bei einer Scheidung häufig angesprochen werden, erhöhen nur die Komplexität der Kostenberechnung.

Scheidung kosten

Verfahrenswert als Berechnungsgrundlage für die Kosten bei einer Scheidung

Zur Berechnung der Anwaltskosten sowie der Gerichtskosten rein für die Scheidung (ohne Berücksichtigung eines Versorgungsausgleichs) wird ein Verfahrenswert aus Ehesache herangezogen. Hierfür werden die folgenden beiden Verfahrenswerte berechnet.

Verfahrenswert aus Einkommen: Das monatliche Einkommen der beiden Ehepartner aus den letzten drei Monaten wird addiert. Beim Verfahrenswert aus Einkommen haben Sie die Möglichkeit, je Kind 250,- EUR pro Monat abzuziehen.
Verfahrenswert aus Vermögen: Hierfür wird das gemeinsame Vermögen der Ehepartner herangezogen. Je Ehepartner wird ein Freibetrag von 30.000,- EUR abgezogen. 5% aus dieser Differenz werden als Verfahrenswert aus Vermögen hergenommen.

Versorgungsausgleich

Vor allem wenn die Ehepartner gemeinsame Kinder aufgezogen haben, spielt auch der Versorgungsausgleich bei der Scheidung eine Rolle.

Während die Kinder in jungen Jahren von einem Elternteil betreut wurden, konnte die Mutter oder der Vater nicht arbeiten und somit keine Rentenansprüche für diese Zeit erwerben. Der andere Ehegatte konnte während dieser Zeit seine Berufstätigkeit ausüben und somit weiterhin Rentenansprüche erwerben. Um dieser Ungerechtigkeit vorzubeugen, hat das Gesetz entschieden, dass bei einer Scheidung derjenige, der während der Kinderbetreuung keine Rentenansprüche erworben hat, die Hälfte der Rentenansprüche vom erwerbstätigen Partner erhält. Sollte dies bei der Scheidung auch geregelt werden, erhöht sich die Berechnungsgrundlage um den Verfahrenswert zum Versorgungsausgleich.

Bei dieser Berechnung spielen drei Faktoren eine Rolle

  1. Gemeinsames Nettoeinkommen der letzten drei Monate
  2. Anzahl der Altersversorgungsanrechte der Ehepartner (wird meist beim Gericht bei jedem Ehepartner geprüft)
  3. Anzahl der Kinder

Die Berechnung ist dann relativ einfach. Es wird das gemeinsame Nettoeinkommen der letzten drei Monate addiert, der Freibetrag für Kinder abgezogen (250,- EUR / Monat und Kind) und diese Differenz mit 10% multipliziert. 10% ist der Satz für die Berechnung des Verfahrenswertes. Das Ergebnis wird noch einmal mit der Anzahl der Altersversorgungsanrechte multipliziert.

Dieser Verfahrenswert wird zum Verfahrenswert aus Ehesache addiert. Die Summe ist die Berechnungsgrundlage bei der Festlegung von Anwaltskosten sowie Gerichtskosten bei einer einvernehmlichen Scheidung mit Versorgungsausgleich.

Wird der Versorgungsausgleich außerhalb des Gerichts gehandhabt, entfällt dieser Verfahrenswert bei der Berechnungsgrundlage.

Berechnung der Anwaltskosten bei einer Scheidung

Sie haben nun die Summe der Verfahrenswerte. Dies ist wichtig, um die Gebühr aus dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz zu ermitteln. Hierfür nehmen Sie einfach den Verfahrenswert und ermitteln mit der Tabelle nach §13 RVG die entsprechende Gebühr.

Diese Gebühr nutzen Sie, um sich die Anwaltskosten auszurechnen, die aus vier Kostenpunkten bestehen.

  • 1,3 Verfahrensgebühr (Die aus der Tabelle nach §13 RVG ermittelte Gebühr multipliziert mit 1,3)
  • 1,2 Terminsgebühr (Die aus der Tabelle nach §13 RVG ermittelte Gebühr multipliziert mit 1,2)
  • Auslagenpauschale von max. 20,- EUR
  • Mehrwertsteuer von 19%

Das Ergebnis der Berechnung ergibt die Anwaltskosten.

Gerichtskosten

Die Berechnung der Gerichtskosten ist noch einfacher. Sie nehmen wieder den Verfahrenswert aus Ehesache und ermitteln die entsprechende Gebühr in der Tabelle nach §28 FamGKG. Die Gerichtskosten sind das zweifache dieser Gebühr.

Nun addieren Sie die Gerichtskosten mit den Anwaltskosten und berechnen die Gesamtkosten der Scheidung.

Bitte beachten Sie, dass es sich dabei um eine repräsentative Berechnung bei einer einvernehmlichen Scheidung handelt. Entscheiden sich beide Ehepartner, einen eigenen Anwalt zu beauftragen, verdoppeln sich natürlich die Anwaltskosten. Gibt es weitere Punkte bzw. Streitigkeiten die bei der Scheidung geklärt werden müssen, erhöht sich der Verfahrenswert und damit erhöhen sich auch die Kosten.

Wenn Sie bei Gericht folgende Punkte klären möchten, erhöht sich der Verfahrenswert um diese Beträge:

  • Besuchsrecht + 800,- EUR
  • Hausrat: + Gesamtwert des Hausrats
  • Unterhalt: + 12 x Unterhaltsbeitrag
  • Sorgerecht: + 800,- EUR
  • Wohnung: + 12 x Monatsmiete
  • Zugewinnausgleich (Aufteilung des Gesamtvermögens der Ehegatten): + Höhe des geforderten Betrages

Diese Zuschläge für den Verfahrenswert können jedoch von Anwalt zu Anwalt abweichen. Um Streitigkeiten zu vermeiden bzw. Kosten bei der Scheidung zu minimieren, ist es ratsam, bei Abschluss der Ehe alles im Ehevertrag zu dokumentieren.

Gerichtsgebühren werden in der Regel auf beide Parteien fair aufgeteilt. Haben beide Partner kein Geld, um die Kosten der Scheidung zu decken, können sie eine staatliche Verfahrenskostenhilfe beantragen. Dabei ist es jedoch wichtig, den Bedarf an Verfahrenskostenhilfe z.B. durch einen Arbeitslosengeld-Bescheid nachzuweisen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, deckt der Staat die gesetzlichen Anwalts- und Gerichtskosten.

Verfügt einer der beiden Ehepartner über ein hohes Einkommen, muss dieser die Kosten tragen.

Bei einvernehmlicher Scheidung genügt es, wenn einer der Partner einen Anwalt beauftragt, der den Scheidungsantrag bei Gericht einreicht. Eine Einvernehmliche Scheidung ist bis zu 30% günstiger, jedoch darf der Anwalt den anderen Ehegatten nicht beraten und auch nicht vertreten.

Was sind die Kosten bei einer Rücknahme der Scheidung?

Wenn die Ehepartner die Scheidung zurückziehen möchten, ist die Höhe der Kosten von zumindest drei Faktoren abhängig.

  1. Wurde die Prozesskostenhilfe beantragt?
  2. Wie hoch ist der Verfahrenswert?
  3. In welcher Phase der Scheidung befindet sich das Ehepaar?

Die Anwaltskosten sind mit großer Wahrscheinlichkeit zu tragen. Wenn kein Gerichtsbeschluss vollzogen wurde, gibt es die Möglichkeit, einen Teil der Gerichtskosten zurückerstattet zu bekommen. Mehr Information erhalten Sie direkt beim Anwalt.

Financer Tipp: Informieren Sie sich bei Ihrer Rechtsschutzversicherung, ob gewisse Kosten wie die Gebühr beim Erstberatungsgespräch gedeckt werden können. Sie haben stets die Möglichkeit, bei einigen Anwaltskanzleien einen unverbindlichen Kostenvoranschlag zu beantragen, bevor Sie sich für einen konkreten Anwalt entscheiden.
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