Steuererhöhung für Sparer – Diese Anleger sind betroffen

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Die Abgeltungssteuer für Zinseinnahmen wird abgeschafft. Das besagt zumindest das Ergebnis der Sondierungsgespräche von CDU, CSU und SPD. Künftig sollen Zinserträge wieder progressiv mit dem persönlichen Einkommensteuersatz von bis zu 45% versteuert werden, so die neue Union-SPD Koalition. Für Dividenden und Kursgewinne bleibt die Abgeltungsteuer derweil bestehen.

Das 28-seitige Dokument erwähnt unter anderem auch folgendes: „Die Abgeltungsteuer auf Zinserträge wird mit der Etablierung des automatischen Informationsaustausches abgeschafft.“

Die Abgeltungsteuer von 25% wurde 2009 ins Leben gerufen, da Politiker Angst hatten, dass Anleger ihr Geld ins Ausland abziehen. Mit der neuen Informationssoftware wird dies nicht mehr so einfach und die Abschaffung der Abgeltungsteuer könnte natürlich wieder mehr Geld in die Staatskasse einbringen.

Wer ist betroffen?

Die Sparer aus der Mittelschicht haben ohnehin Schwierigkeiten, Ihr Kapital sicher und gewinnbringend anzulegen. Dank der jährlichen Inflation verlieren sie 2% Ihres Kapitalwertes jedes Jahr. Bei den aktuellen Zinssätzen bei Sparbüchern, Tagesgeld und Festgeld ist das unter dem Strich ein Minusgeschäft.

Mit der Abschaffung der Abgeltungssteuer wird das Einkommen von Zinserträgen bei konservativen Sparern, die jedoch den Sparerfreibetrag ausschöpfen können, noch weiter gesenkt.

Wie viel Zinseinkommen ist nun notwendig, um den Sparerfreibetrag auszuschöpfen?

AnlagesummeZinsen p.a.Zinsertrag
Tagesgeld€ 80 100,000.01%€ 801,00
Festgeld€ 26 700,000.03%€ 801,00
P2P-Kredite€    8 010,0010%€ 801,00

Zu repräsentativen Zwecken sind wir bei der Berechnung von der jährlichen durchschnittlichen Verzinsung ausgegangen. Bei diversen Anbietern findet die Zinsausschüttung monatlich bzw. vierteljährlich statt. Bei einigen Sparkonten erhalten Sie unter der Bedingung der Anlage in Aktien bzw. Fonds, einen höheren Zinssatz. Diese haben wir nicht berücksichtigt.

Wenn Sie in diesen Anlageklassen mit einer niedrigeren Anlagesumme im Jahr investieren, sind Sie von der Steuererhöhung bei Zinseinkünften ohnehin nicht betroffen. In der Zukunft kann sich der Zins für Tagesgeld sowie Festgeld erhöhen und Anleger können den Sparerfreibetrag schon mit niedrigeren Anlagesummen ausschöpfen.

Eine Erhöhung des Sparerfreibetrages ist nicht in Sicht. Dies könnte die Steuerbelastung bei den Anlegern aus der Mittelschicht etwas senken. Laut dem Bund von Steuerzahlern führt bereits ein Zinsertrag der in Summe um 2.000,- EUR den Sparerfreibetrag übersteigt zu einer Mehrbelastung der Anleger, wenn es zu einer Teilabschaffung der Abgeltungssteuer kommt. Der persönliche Steuersatz liegt nämlich ohnehin bei vielen Anlegern oberhalb der 25% Marke.

sparerfreibetrag-seit-1975-min

Zinserträge werden daher künftig gleich wie “Arbeit” besteuert. Wie viel Einkommenssteuer Sie 2018 bezahlen, können Sie hier nachrechnen. Diese neue Regelung trifft vor allem die Mittelschicht und benachteiligt jene, die privat vorsorgen.

Welche Maßnahmen sollten Anleger nun treffen?

Viele Finanzexperten sind der Meinung, dass eine Teilabschaffung der Abgeltungssteuer in einen enormen bürokratischen Aufwand für Banken, Finanzämter und Bürgen bei der Steuererklärung resultieren wird. Die Kosten hierfür seien höher als der zu erwartende Ertrag aus den zusätzlichen Steuereinnahmen. Wie die Koalition reagieren wird, ist noch ungewiss.

Die Abschaffung der Abgeltungsteuer betrifft nicht die Zinseinkommen aus Dividenden und Kursgewinnen. Für Anleger ist dies eine Chance, Ihr Anlageportfolio etwas umzuschichten und sich mehr mit ETFs und Aktien zu beschäftigen. Natürlich steigt hier auch das Risiko. Aktuell sieht die nahe Zukunft für Sparer daher eher schwarz aus.

Es ist bestimmt empfehlenswert, den Sparerfreibetrag für Singles bis 801,- EUR (für Ehepaare 1.602,- EUR) auszuschöpfen. Darüber hinausgehende Zinseinkünfte könnten in der Zukunft aufgrund des Verhältnisses zwischen Anlagerisiko (bei P2P-Krediten) und Ertragschance als zu riskant interpretiert werden.

In Stein gemeißelt ist die Steuererhöhung jedoch noch nicht, es bleibt daher spannend zu beobachten, ob wir die Ungleichbehandlung bei der Besteuerung von Kapitalerträgen erleben werden bzw. ob die gesamte Abgeltungssteuer auf alle Kapitaleinnahmen abgeschafft wird.

Das Ergebnispapier der Sondierungsgespräche von CDU, CSU und SPD können Sie hier herunterladen.

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